Golden Ride Magazine

  • 03/06/2016 — Leonie Stowasser

Deutschlands beste akademische Surferin

Vor gerade einmal vier Jahren stand Valeska das erste Mal auf einem Surfboard, doch das Surffieber hat sie gepackt wie kaum jemand anderen. Jede freie Minute verbringt sie seitdem auf dem Wasser und schafft es mit ihrem Talent und Ehrgeiz bis an Deutschlands Spitze. Nach einem Auslandssemester in Australien verband sie vergangene Woche einen Heimatbesuch mit der erneuten Teilnahme in beiden Kategorien der ADH. Und es zahlte sich aus! Mit immer noch rauschenden Gefühlen, braun gebrannter Haut und sonnengebleichtem Haar erzählt sie uns von ihrem Sieg, ihrer steilen Karriere und gibt uns Tipps, wie auch wir schnell Fortschritte machen können.

Alter: 24

Wohnort: München und bald Coolangatta, Australien

Sponsoren: FitStar, Rip Curl, Wavetours

ValeskaSchneider

Foto von Nico Zuendorf

Hallo Valeska, erst einmal Glückwunsch zu deinem Doppel-Sieg! Das war echt eine grandiose Leistung! Wie fühlst du dich eine Woche danach?

Hey, Golden Ride Mädels, vielen Dank euch! Ich habe mich natürlich mega gefreut, die ADH zu gewinnen. Das war immer ein Traum von mir und ein Ziel, das ich unbedingt mal erreichen wollte. Ich kam aber ja gerade erst wieder aus Australien zurück und bin von München direkt zu den ADHs gefahren. Das ging alles total schnell, es gab so viel Trubel und Wiedersehensfreude mit meinen Freunden! Somit hatte ich eigentlich gar nicht wirklich Zeit darüber nachzudenken, was passieren würde, wenn ich gewinne. Als ich dann gewonnen habe, haben sich die Gefühle so richtig überschlagen, es war Wahnsinn! Jetzt ist ein bisschen Zeit vergangen und ich fange langsam an zu realisieren, dass ich meinen ersten großen Sieg geschafft habe. Das ist ein ziemlich gutes Gefühl und ich bin echt happy.

Erzähl uns doch mal etwas über die ADH. Wie oft findet sie statt, was sind die Voraussetzungen, daran teilzunehmen, und brauche ich ein bestimmtes Niveau?

Die allgemeinen deutschen Hochschulmeisterschaften im Wellenreiten finden jedes Jahr über die Pfingstfeiertage in Seignosse an der französischen Atlantikküste statt. Organisiert werden sie von Wavetours. Im Prinzip ist das Niveau egal, teilnehmen kann wirklich jeder, der an einer deutschen Hochschule immatrikuliert ist oder dort arbeitet.  Dieses Jahr gab es aber bei den Männern erstmals eine Vorrunde, in denen die Newcomer antreten mussten. Erst in den Finalläufen stoßen dann die Surfer hinzu, die sich durch ihre Erfolge in den vergangen Jahren ein gewisses Seating erarbeitet haben. Bei den Mädels gibt es meistens weniger Teilnehmerinnen, somit sind keine wirklichen Qualifikationsläufe notwendig. Die erfolgreichen Surferinnen werden aber so auf die verschiedenen Vorrunden-Heats aufgeteilt, dass sie nicht gleich am Anfang aufeinander treffen. Also ist es vielleicht schwieriger, wenn man das erste Mal mitmacht. Es gibt aber auch immer wieder Überraschungen wie eine Austauschstudentin aus Australien vergangenes Jahr, die dann auch die ADH gewann. Außerdem ist es einfach eine mega coole Woche! Wavetours organisiert immer ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm und es lohnt sich auf jeden Fall hinzufahren – ob zum Teilnehmen oder Anfeuer

Dieses Jahr warst du die Top-Favoritin auf der ADH, extra aus Australien angereist. Hat dich der Druck belastet?

Nein, ich habe den Druck gar nicht so an mich rankommen lassen. Auf die ADH habe ich mich einfach total gefreut, weil es jedes Jahr wieder ein super cooler Event und Get-Together mit meinen Freunden und der ganzen deutschen Surfszene ist. Klar, habe ich viel trainiert. Es war, wie gesagt, auch ein Traum von mir, mal die ADH zu gewinnen. Contest Surfen ist aber auch immer ein bisschen Glückssache. Man wartet vergeblich auf die perfekte Welle oder hat einen schlechten Tag und kann in der kurzen Zeit nicht alles zeigen, was man drauf hat. Dann ist das halt so, da spielt auch viel Schicksal mit. Deswegen habe ich mich primär einfach auf die Woche insgesamt gefreut, ohne unbedingt an den Sieg zu denken.

Du surfst ja eigentlich noch nicht so lange – erst seit 4 Jahren. Wie bist du in so kurzer Zeit so gut geworden?

Ich war nach dem Abitur in Australien, habe dort in einem Surfcamp das Surfen gelernt und mich sofort in den Sport verliebt. Ich hatte großes Glück, denn die Bedingungen waren dort perfekt für Anfänger. Zusätzlich hatte ich viel Zeit, 5 Monate blieb ich im Endeffekt zum Jobben und Surfen. Das waren wirklich optimale Voraussetzungen, um schnell besser zu werden. Außerdem würde ich mich als einen sehr ehrgeizigen Mensch bezeichnen. Mich motiviert es, nicht nur mir selber, sondern auch anderen zu zeigen, was ich erreichen kann. Als surfendes Mädel wird man schon manchmal von den Jungs belächelt, da man ja ihrer Meinung eh nicht gescheit surfen kann und sich nichts traut. Mädels auf Surftrips mitzunehmen kommt für viele gar nicht in Frage. Das hat mich mega geärgert, dass wir so unterschätzt werden, und ich wollte es denen mal so richtig zeigen!

ValeskaSchneider

Foto von Yvonne Schneider

Das hast du auf jeden Fall! Hast du denn Tipps für Mädels, die auch surfen lernen wollen?

Probiert es einfach, Surfen macht wirklich von Anfang an Spaß, auch wenn es erst nur wacklige Stehversuche im Weißwasser sind. Wer ein höheres Level erreichen will, dem würde ich auf jeden Fall empfehlen, sich für eine längere Zeit am Meer aufzuhalten. Heutzutage gibt es ja viele Möglichkeiten, ob es nun ein Auslandssemester, -praktikum, Work & Travel oder Saisonarbeit in einem Surfcamp über die Semesterferien ist. Was zählt ist die Zeit und Erfahrung im Wasser. Dort sollte man dann versuchen, jede freie Minute auch wirklich im Wasser zu verbringen. Egal, ob die anderen sagen, es würde sich nicht lohnen, es sei zu klein oder zu viel auflandiger Wind. Wer trotzdem surfen geht, verbessert sich mehr, als wenn er nicht geht. Natürlich darf man sich selber aber auch nicht überschätzen und sollte Erfahreneren schon vertrauen, wenn sie von gefährlichen Strömungen oder zu großen Wellen berichten. Grenzen auszutesten ist aber auch nicht schlecht, also versucht, ein Mittelmaß zu finden, zwischen nötigem Respekt und unnötiger Angst vor den Wellen. Außerdem hilft es, sich ab und zu mal Feedback von Surflehrern und Trainern zu holen. Oft sind es nur Kleinigkeiten, wegen der man sich gerade nicht weiter entwickelt. Man kennt sich vielleicht anfangs noch nicht so gut aus, surft nicht das richtige Board oder den falschen Shape. Ein kleiner Tipp kann dann oft Wunder bewirken!

Du verbindest also oft Studium und Reisen bzw. Arbeit und Reisen? Gib uns doch mal noch ein paar Beispiele, wie du es so oft hinbekommst Zeit am Meer zu verbringen!

Ich habe z.B. ein dreimonatiges Erasmus-Praktikum in einer PR-Agentur in Frankreich gemacht. Durch das Erasmus Stipendium konnte ich mir ein Zimmer in der Nähe vom Strand finanzieren und kam somit vor und nach der Arbeit zum Surfen. Auf den Kanaren habe ich mal auf Eigeninitiative Fotos von Surfschülern in den Surfkursen gemacht, diese anschließend verkauft und mir somit meinen Trip finanziert. Bei den ADHs habe ich auch schon mal im Orga-Team mitgeholfen und mir somit Kost und Logis gespart. Wenn man das wirklich will, gibt es immer eine Möglichkeit. Und wenn ich dann mal richtig auf Reisen bin, versuche ich immer Low Budget zu leben. Viel mehr als essen, schlafen und surfen habe ich eh nicht vor. Daheim führe ich dann quasi ein zweites Leben. Ich konzentriere mich sehr auf die Uni, verbringe Stunden in der Bib und versuche vor- und nachzuarbeiten, damit meine Noten nicht unter meiner Abwesenheit leiden.

ValeskaSchneider

Foto von Yvonne Schneider

 

Deine Surffitness soll andersherum aber wahrscheinlich auch nicht unter deinem Studium leiden, oder? Wie hältst du dich an Land fit?

Klar, mich an Land fit zu halten ist mir auch extrem wichtig. Ich gehe oft Schwimmen, um die Paddelfitness aufrecht zu erhalten. Im Fitnessstudio trainiere ich auch viel an meiner Kraft und mache Rotationsübungen. Yoga ist auch super, um beweglich und flexibel genug für die Manöver zu bleiben. Das nutze ich auch manchmal um abzuschalten oder mich auf die nächste Surf Session zu fokussieren.

Was ist mit dem Eisbach in München, surfst du da auch? Ist es dort nicht besonders schwierig, als Mädel ernst genommen zu werden?

Ja, da surfe ich auch super gerne und hatte eigentlich auch noch nie Probleme mit Anerkennung. An der zweiten, kleineren Welle ist es, denke ich, sowieso kein Problem. An der ersten Welle tun die Locals einem auch nichts, wenn sie sehen, dass man ein bisschen Ahnung hat und nicht komplett falsch auf dem Board steht. Sie schicken einen nur weg, wenn sie merken, dass man sich nicht auskennt und sich selbst in Gefahr bringt. Ob männlich oder weiblich ist hierbei egal. Generell glaube ich, dass man als Mädel am Eisbach eh fast noch ein bisschen mehr toleriert wird, also man nicht gleich rausgeklopft wird, wenn man es noch nicht so gut kann oder im Sitzen reingeht.

ValeskaSchneider

Foto von Leonie Stowasser

An Land bist du auch in Social Media ziemlich fit. Über 10.000 Leute folgen dir auf Instagram! Legst du großen Wert auf Social Media? Was erhoffst du dir von einer großen Follower Zahl?

Social Media ist einfach extrem wichtig geworden. Es ist die Plattform, bei der Sportler und Sponsoren aufeinander treffen. Ich würde fast sagen, ohne Social Media, keine Sponsoren. Selbst wenn man die ADH oder DM gewinnt, die Reichweite der Events reichen nicht aus. Man muss also noch selbst was dafür tun, um mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Generell macht es mir aber auch einfach Spaß, vor der Kamera zu stehen, oder beeindruckende Momente selbst fest zu halten und mit anderen zu teilen.

Verrate uns doch mal eine Surf-Destination, zu der du unbedingt mal hin willst!

Oh, es gibt noch so viele Orte! Ich will unbedingt mal nach Peru zu Chicama, das ist die längste linke Welle, die es gibt – für mich als Goofy ein Traum. Auch wenn ich eine absolute Frostbeule bin und Warmwassersurfs in Indo liebe, würde es mich aber auch mal reizen, einen Coldwater Surftrip zu machen. Im Line-Up zu sitzen, während drum herum alles verschneit ist, ist irgendwie echt eine krasse Vorstellung!

ValeskaSchneider

Foto von Yvonne Schneider

Was ist mit Contests, stehen dieses Jahr noch weitere an? Errechnest du dir Chancen an den Deutschen Meisterschaften?

Ich gehe ja jetzt wieder zurück nach Australien und fange dort einen Master im Management an. Dort gibt es auch Hochschulmeisterschaften im Surfen, bei denen ich gerne antreten würde. Das wäre jetzt also der nächste anstehende Contest und zudem auch mein erster Internationaler. Klar ist das australische Niveau deutlich höher, aber ich habe mega Lust, auch mal international Luft zu schnuppern. Bei den DM im September werde ich wahrscheinlich auch an den Start gehen. Im Finale zu stehen ist auf jeden Fall ein Ziel und ich werde weiterhin darauf trainieren. Man weiß aber nie, welche neue Surferin mit deutschem Pass noch einfliegt, also kann man nicht wirklich voraussagen, wie die Chancen stehen.

Danke für das Interview, Valeska! Wir hoffen, dass – wo du jetzt so eine lange Zeit im Ausland verbringst – die deutschen Surfcontest trotzdem weiterhin ein Anreiz für Heimatbesuche bleiben werden! Viel Spaß in Australien!

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